Geschmackvoller Austausch über Vorzugsmilch auf der Land & Genuss 2014 – Ein Nachbericht

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Die Gelegenheit, Vorzugsmilch zu verkosten und mehr über das im Handel selten auffindbare Naturprodukt zu erfahren, nahmen auf der DLG Erlebnismesse Land & Genuss 2014 am Sonntag mittag mehr als 70 Besucher wahr. Viele Gespräche setzten sich am
Gemeinschaftsstand des Weidenhofes mit SPESSARTregional im Anschluss an die
Verkostung noch fort.

„Ist Vorzugsmilch nicht die bessere Milch? Warum wird es immer schwieriger sie zu bekommen?“
lautete der Titel des Podiumsgesprächs von BVDM, dem SlowFoodDeutschland-Convivium
Frankfurt und dem Weidenhof in Wächtersbach.

Land_und_Genuss_15Antje Hassenpflug, GF des Bundesverbandes der Vorzugsmilcherzeuger und Direktvermarkter (BVDM), erklärte den anwesenden Gästen den Unterschied. „Vorzugsmilch wird gleich nach dem Melken in der eigenen Hofmolkerei gefiltert und abgefüllt. Ein Großteil der länger haltbar gemachten Milch, wird in großen Molkereien wärmebehandelt (pasteurisiert) und homogenisiert.“ Vorzugsmilch ist die einzige Milch, die unbehandelt in den Handel gelangt und roh verzehrt werden darf. Entsprechend streng und engmaschig wird sie kontrolliert. Das stellt hohe Anforderungen an die Milchbauern in der umfassenden Betreuung der Tiere, der Stall- und Melkhygiene. Nur noch ca. 40 Höfe in Deutschland stellen dieses hochwertige Naturprodukt her. Diejenigen, die die Vorzugsmilch im Umfeld des Podiumsgesprächs verkostet hatten, waren sich schnell einig: „Die schmeckt ja richtig nach Milch!“ und gaben ihr klar den Vorzug gegenüber H-Milch. Diese macht mittlerweile rund zwei Drittel des gesamten Milchverbrauchs in Deutschland aus.

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Die Frage nach der abnehmenden Verfügbarkeit ließ sich nicht so schnell beantworten. Viele Faktoren
hatten in den letzten zwei Jahrzehnten dazu geführt, dass Vorzugsmilch mehr und mehr aus dem
Handel und somit auch aus dem Geschmacksgedächtnis der Verbraucher zu verschwinden drohte.
Vorzugsmilch muss als unbehandelte Rohmilch laut Gesetzgeber innerhalb von 96 Stunden
verbraucht werden. Das führte zu Zurückhaltung auf Seiten des Lebensmittel-Einzelhandels. Die
Direktvermarkter konzentrierten sich auf die Belieferung von Haushalten, Gastronomie und Hofläden.
Im Rahmen regionaler Programme wie „Landmarkt“ kehren die naturbelassene Produkte nun
wieder mehr und mehr in die städtischen Märkte zurück. Land_und_Genuss_08Auch Bettina K. Buggle, ConviviumsLeiterin von Slow Food in Frankfurt, macht sich für den Erhalt und die Verbreitung von Vorzugsmilch stark. „Wenn ich einen tollen Kaffee zu zwei Drittel mit fader Milch auffülle, da kommt die beste Bohne nicht gegen an. Die Menschen in der Umgebung von Frankfurt können froh sein, über verschiedene Läden noch in den Genuss von Vorzugsmilch kommen zu können.“